Wer setzt heute eigentlich den Standard für das ganz große Gefühl? Jack und Rose im Eismeer? Edward und Bella in ihrer bisweilen bissigen Vampirwelt? Oder doch eher die perfekt gestylte Plastikwelt von Barbie und Ken?
Gegen das, was am 13. Mai in unserer voll besetzten Aula auf die Bühne gebracht wurde, war das alles nur das Vorprogramm. Der DS-Kurs 9 schickte das Publikum auf eine emotionale Zeitreise und bewies, dass Shakespeares Klassiker auch im Jahr 2026 nichts von seiner Wucht verloren hat.
In dieser modernen Fassung verlieben sich zwei Mädchen in einem katholischen Internat: Romy und Julia. Unterstützt wird Julia von ihrer treuen Freundin Amy (in Anlehnung an die Amme). Das Besondere an der Inszenierung: Das Original von 1597 erwacht auf der Bühne zum Leben, als Benny (Benvolio) in einem alten Buch liest. In dieser eingebetteten Shakespeare-Welt liefert der Bösewicht Tybalt nicht nur einen grandiosen Kampf ab, auch Julias Mutter glänzt hier als eiskaltes Symbol einer Gesellschaft, die sich gegen die Liebenden stellt.
Währenddessen spitzt sich die Lage im Internat ganz real zu: Marcus (Mercutio) stirbt fast an einem schweren Allergieschock. In diesem Moment der Krise stellen plötzlich alle fest: Das ist ja genau wie bei Romeo und Julia! Doch selbst diese Erkenntnis und die Hilfe der Vertrauenslehrerin Frau Lorenz (Pater Lorenzo) können das tragische Ende nicht mehr verhindern. Es geht aus wie bei Shakespeare – ohne Happy End, dafür mit vollem Einsatz.
Die Leistung des Ensembles war beeindruckend. Alle Beteiligten gaben von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas auf der Bühne, agierten extrem präsent, ausdrucksstark und mit spürbarer Spielfreude. Diese schauspielerische Qualität spiegelte sich auch in den Reaktionen des Publikums wider: Neben spontanem Szenenapplaus während der Aufführung gab es am Ende langanhaltenden, begeisterten Beifall für ein rundum gelungenes Theaterprojekt.










